VRank

Jana Voigtmann (geb. 1984)
Alexander Voigt (geb. 1975)

»VRank«
Filament, Stahl-Animatronik /// Filament, steel animatronics,
mehrteilig /// multipart, ca. 180 x 30 x 30 cm + Stuhl /// chair,
Besitz der Künstler*in /// The artists property, Leipzig (inkl. Jana Voigtmann,
»Verfolger und Betrüger #1 /// Persecutor and cheater #1«, 2017, Acryl und Kugelschreiberpaste auf Leinwand /// Acrylic and ballpoint pen paste on canvas, 160 x 120 cm)

Das Künstlerduo Voigt & Voigtmann ist eine Kollaboration zwischen Jana Voigtmann und Alexander Voigt in Leipzig. Eines ihrer gemeinsamen Projekte ist die interaktive Closed-Circuit-Videoinstallation »Scotoma«, die für das CITY VISIONS JENA – light and Science Festival 2015 in Jena angefertigt wurde. Stand bei dieser Gemeinschaftsarbeit das Thema der Überwachung im Vordergrund, konzentriert sich die »Animatronische Büste« auf eine immersive Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine.

»Hauptbestandteile der Installation sind eine VR-Brille und eine damit verbundene animatronische Büste. Die Büste ist mit einem binauralen (lat. mit beiden Ohren) Mikrofon, einem Lautsprecher und Webcams ausgestattet. Das VR-Headset verfügt ebenfalls über ein Mikrofon sowie über Kopfhörer. Beim Aufsetzen der VR-Brille erlebt der Partizipient den Blick aus der Perspektive der Büste, wobei die Webcams in ihrer Anordnung als stereoskopische Augen dienen, und somit den immersiven Charakter der virtuellen Realität verstärken. Zusammen mit den übertragenen akustischen Signalen vom binauralen Mikrofon, werden damit natürliche Seh- und Höreindrücke nachempfunden und ermöglichen eine verbale Interaktion zwischen dem Betrachter der Büste und dem Partizipienten. Weiterhin werden die Bewegungen beim Tragen der Brille getrackt und mit denen der animatronischen Büste synchronisiert, so dass die Büste zum Surrogat vom Partizipienten wird.« (Voigt&Voigtmann)

In direkter Interaktion werden somit Bewegung, Wahrnehmung und Verständigung des Besuchers auf die Büste übertragen. Dadurch erweitert sie zugleich den Interaktionsradius des Menschen. Besucher, die den tatsächlich steuernden Menschen noch nicht entdeckt haben, assoziieren mit dieser Büste jedoch ein androides Wesen, welches vermeintlich auf künstlicher Intelligenz basierend kommuniziert.

Die Idee hinter diesem Trugschluss beruht auf einem vor 250 Jahren entwickelten »Schachtürken«. »Das von Wolfgang von Kempelen konzipierte Gerät suggerierte dem Betrachter einen autonomen Schachroboter, in dem jedoch ein menschlicher Schachspieler versteckt war, der ihn bediente. Als Büste inszeniert, wird der animatronische Kopf im Ausstellungskontext, ähnlich wie beim Schachtürken, erst durch die Benutzung der VR-Brille zum Leben erweckt und suggeriert dem Betrachter zunächst den Eindruck einer humanoiden Maschine mit sozialer Intelligenz. Bei dieser immersiven out-of-body experience (außerkörperlichen Erfahrung) wird die Büste zum Repräsentanten/Surrogat des Partizipienten und verweist auf die Vorstellung der Verschmelzung von Mensch und Maschine, Körper und Daten, von Bewusstsein und Identität. Die Entwicklung des Menschen zum Cyborg, ein Mischwesen von Mensch und Maschine. Die äußere Form der Büste ist jedoch bewusst technisch anmutend, kubistisch abstrahiert, um ein Spiel mit den Erwartungen und der Akzeptanz zu evozieren.« (Voigt&Voigtmann)

Text: Dr. Barbara Röhner