QR-Code

Rainer Jacob (geb. 1970) »QR-Code«, Temporäre Plastik

Rainer Jacob (geb. 1970)
»QR-Code«, Temporäre Plastik zur Vernissage
/// Temporary plastic during opening, Eis auf Styropor /// Ice on polystyrene,
85 x 85 cm, Außenbereich des Museums /// Exterior of the museum,
© http://www.bildhauer-rainer-jacob.de/wand.html

Erstmals fixierte Rainer Jacob den QR-Code aus Eiswürfeln vor zwei Jahren an einer Mauerecke der Leipziger Sachsenbrücke. Die zum Aufenthalt bei Einwohnern und Gästen sehr geschätzte Brücke büßt selbst bei sinkenden Temperaturen kaum an Anziehungskraft ein. Dennoch stehen hier in digitaler Verschlüsselung die Worte »kalt hier drin!«. Zwei erkennbare Fußabdrücke innerhalb des Codes machen eine Dechiffrierung desselben allerdings unmöglich. Unverkennbar spielt Rainer Jacob hier auf die kalte, seelenlose Welt des Digitalen an. Über den Code gelegte Fußabdrücke symbolisieren demzufolge menschliche Wärme, die trotz vieler Vorteile heutiger Digitalisierung zu schwinden droht. Vereinzelung des Menschen vor Spielkonsolen, Computern oder Handys versus reale menschliche Begegnungen im öffentlichen Raum.

Das Thema der Vergänglichkeit ist dieser Installation aus Eis schon allein aus dem Material heraus geschuldet. Denn die bei Frost anzubringenden Eiswürfel verlieren im Außenraum früher oder später ihre Konturen, bis am Ende nichts mehr übrig bleibt. Mitunter provozieren sie aber auch andere Formen künstlerischer Intervention, so geschehen an der Sachsenbrücke, als ein Sprayer den Code kurzerhand als Schablone nutzte. Selbst bei ansteigenden Temperaturen blieb nun der Code als Abdruck für lange Zeit sichtbar. Eine Folge von Bezügen auf Spielarten der Streetart wie des sogenannten Reserve Graffiti, hervorgerufen durch Schmutzentfernung von Paul Curtis, alias Moose begann. Rainer Jacob bezeichnet seine Eissticker und Objekte selbst als vierdimensionale Streetart, welche anonym ohne jegliche Signatur im öffentlichen Raum meist nur für kurze Zeit zu entdecken ist. Mit den Worten Rainer Jacobs: »Die innewohnende gesellschaftliche Stellungnahme nimmt sich durch die Vergänglichkeit der Objekte wieder zurück, bleibt nicht dauerhaft greifbar und hält den Platz frei für neue Interventionen.«

Obgleich oft zufällig wirkend, spielt der Ort der Anbringung von Eisstickern für den Künstler eine entscheidende Rolle. Öffentliche Einrichtungen, Wände vor bedeutenden Gebäuden oder stark reflektierte Plätze werden bevorzugt, um einerseits überhaupt wahrgenommen zu werden, andererseits aber direkte inhaltliche Bezüge zur unmittelbaren Umgebung herzustellen. War die Sachsenbrücke ein Ort der Überquerung und Begegnung, so ist die Außenwand des Museums der bildenden Künste sowohl ein Schutz für die dahinter befindlichen Kulturgüter als auch die Schnittstelle zur interessierten Öffentlichkeit. Die transluzente Glasfassade des Museumsgebäudes scheint einerseits Transparenz herzustellen, bildet andererseits aber auch die Kühle modernen Städtebaus ab. Der am Eingang positionierte QR-Code mag daher auf die Ambivalenz urbaner Strukturen in Architektur und in unserer digitalen Gesellschaft verweisen.

Text: Dr. Barbara Röhner

Rainer Jacob (geb. 1970)
»Above«, 2016
Fotografie auf Alu-Dibond /// Photography on Alu-Dibond,
75 x 125 cm, Besitz des Künstlers /// The artists property, Leipzig