L II

Valeria Schneider (geb. 1987)
»L II«, 2016,
Bleistift auf Papier /// Pencil on paper, 150 x 220 cm,
Leipzig, Kunstsammlung der Sparkasse Leipzig /// Art collection of the Sparkasse Leipzig

Valeria Schneider hat im Zeichnen das ihr wesensverwandteste bildkünstlerische Ausdruckmittel gefunden. Zeichnen ist wohl die ursprünglichste und direkteste Art, Gedanken oder Emotionen bildnerisch wiederzugeben. Angesichts der ebenso sensiblen wie minimalistischen Strichführung, der Akribie und Sorgfalt der Ausführung, die das großformatige Blatt zunächst vielleicht wie eine zart-flirrende Gewebestruktur erscheinen lässt oder sogar an ein für Maschinen lesbares technisches Programm erinnert, spürt man die hohe mentale und physische Konzentration bei der oft isolierten, stundenlangen Arbeit im Atelier.

Valeria Schneider hat im Zeichnen das ihr wesensverwandteste bildkünstlerische Ausdruckmittel gefunden. Zeichnen ist wohl die ursprünglichste und direkteste Art, Gedanken oder Emotionen bildnerisch wiederzugeben. Angesichts der ebenso sensiblen wie minimalistischen Strichführung, der Akribie und Sorgfalt der Ausführung, die das großformatige Blatt zunächst vielleicht wie eine zart-flirrende Gewebestruktur erscheinen lassen oder sogar an ein für Maschinen lesbares technisches Programm erinnert, spürt man die hohe mentale und physische Konzentration bei der oft isolierten, stundenlangen Arbeit im Atelier. »Grundlage der zeichnerischen Arbeiten von Valeria Schneider sind strukturelle Beobachtungen zwischenmenschlichen Agierens und medialer Kommunikation« (Ralf F. Hartmann). Der Umgang mit den immer unbegrenzt werdenden Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel, das Führen zwischenmenschlicher Kommunikation und das mediale Anteilnehmen am aktuellen Zeitgeschehen sind ebenso wesentlich für sie persönlich und für ihre künstlerische Arbeit. Beides, Zeichnen wie Kommunikation, flossen ein in ihre Beschäftigung mit der Zeit: Was bedeutet Zeit für einen Menschen, wie bestimmt sie unser Leben, welchen zeitlichen Raum geben wir den verschiedenen Aspekten unseres Lebens oder lassen wir uns zunehmend die Lebenszeit diktieren von der Hektik und ständige Verfügbarkeit fordernden Arbeitswelt und unserer zeitraubenden Beschäftigung mit den Medien etc.?

Valeria Schneider begann, ihr Kommunikationsverhalten zu beobachten. Es entstand mit der Zeit ein detailliertes Zeittagebuch: Wann hat sie geschrieben, wann kamen Nachrichten von wem an, wie häufig oder wie lange lief die Kommunikation etc. Die Auswertung der Erkenntnisse erfolgte mittels zeichnerischer Umsetzung in ein Millimeterraster. Für das Objekt »L III« forderte sie ihre gesamte gespeicherte Kommunikationsdatei von WhatsApp an. Aus den Konversationen wählte sie eine Person aus, mit welcher sie über ein ganzes Jahr eine hohe Kommunikationsquantität verband. Angesichts der Zeichnung wird deutlich, dass es sich dabei nicht um mathematische Statistik in einem üblichen Koordinatensystem handelt, vielmehr um ein konzeptionelles. Es geht auch nicht um die Intensität, Emotionalität oder um den Inhalt der Gespräche, sondern um die Sichtbarmachung von Häufigkeiten, den Einseitigkeiten oder Überschneidungen der Gespräche bzw. deren Pausen oder bewusste Unterbrechung. Die Überlagerungen, die für sich stehenden Felder und die unbearbeiteten Flächen des Papiers sind zeichnerisch sichtbar gemachtes Kommunikationsverhalten. Zeitverläufe wurden in die Zweidimensionalität transformiert. »Aus diesem Spannungsverhältnis zwischen Semantik und Semiotik, aus einem nicht zu dechiffrierenden Kontext und der solchermaßen bis zur Unkenntlichkeit chiffrierten zeitlichen Dimension generiert Valeria Schneider großformatige Blätter, die sich als rein semiotisches System zu erkennen geben und uns in einen vollkommen abstrakten Bildraum entlassen.« (Ralf F. Hartmann) Die Feinheit der zeichnerischen Umsetzung verleiht der ausgestellten Arbeit eine empfindsame Stimmung und subtilen ästhetischen Genuss.

Valeria Schneider hat im Zeichnen das ihr wesensverwandteste bildkünstlerische Ausdruckmittel gefunden. Zeichnen ist wohl die ursprünglichste und direkteste Art, Gedanken oder Emotionen bildnerisch wiederzugeben. Angesichts der ebenso sensiblen wie minimalistischen Strichführung, der Akribie und Sorgfalt der Ausführung, die das großformatige Blatt zunächst vielleicht wie eine zart-flirrende Gewebestruktur erscheinen lässt oder sogar an ein für Maschinen lesbares technisches Programm erinnert, spürt man die hohe mentale und physische Konzentration bei der oft isolierten, stundenlangen Arbeit im Atelier.

»Grundlage der zeichnerischen Arbeiten von Valeria Schneider sind strukturelle Beobachtungen zwischenmenschlichen Agierens und medialer Kommunikation« (Ralf F. Hartmann). Der Umgang mit den immer unbegrenzter werdenden Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel, das Führen zwischenmenschlicher Kommunikation und das mediale Anteilnehmen am aktuellen Zeitgeschehen sind ebenso wesentlich für sie persönlich und für ihre künstlerische Arbeit. Beides, Zeichnen wie Kommunikation, flossen ein in ihre Beschäftigung mit der Zeit: Was bedeutet Zeit für einen Menschen, wie bestimmt sie unser Leben, welchen zeitlichen Raum geben wir den verschiedenen Aspekten unseres Lebens oder lassen wir uns zunehmend die Lebenszeit diktieren von der Hektik und ständige Verfügbarkeit fordernden Arbeitswelt und unserer zeitraubenden Beschäftigung mit den Medien etc.?

Valeria Schneider begann, ihr Kommunikationsverhalten zu beobachten. Es entstand mit der Zeit ein detailliertes Zeittagebuch: Wann hat sie geschrieben, wann kamen Nachrichten von wem an, wie häufig oder wie lange lief die Kommunikation etc. Die Auswertung der Erkenntnisse erfolgte mittels zeichnerischer Umsetzung in ein Millimeterraster. Für das Objekt »L III« forderte sie ihre gesamte gespeicherte Kommunikationsdatei von WhatsApp an. Aus den Konversationen wählte sie eine Person aus, mit welcher sie über ein ganzes Jahr eine hohe Kommunikationsquantität verband. Angesichts der Zeichnung wird deutlich, dass es sich dabei nicht um mathematische Statistik in einem üblichen Koordinatensystem handelt, sondern um ein konzeptionelles. Es geht auch nicht um die Intensität, Emotionalität oder um den Inhalt der Gespräche, sondern um die Sichtbarmachung von Häufigkeiten, den Einseitigkeiten oder Überschneidungen der Gespräche bzw. deren Pausen oder bewusste Unterbrechung. Die Überlagerungen, die für sich stehenden Felder und die unbearbeiteten Flächen des Papiers sind zeichnerisch sichtbar gemachtes Kommunikationsverhalten. Zeitverläufe wurden in die Zweidimensionalität transformiert. »Aus diesem Spannungsverhältnis zwischen Semantik und Semiotik, aus einem nicht zu dechiffrierenden Kontext und der solchermaßen bis zur Unkenntlichkeit chiffrierten zeitlichen Dimension generiert Valeria Schneider großformatige Blätter, die sich als rein semiotisches System zu erkennen geben und uns in einen vollkommen abstrakten Bildraum entlassen.« (Ralf F. Hartmann) Die Feinheit der zeichnerischen Umsetzung verleiht der ausgestellten Arbeit eine empfindsame Stimmung und subtilen ästhetischen Genuss.

Text: Dr. Dietulf Sander

Literaturnachweis:
Ralf F. Hartmann. In Ausst.-Kat.: Follow the Line. Positionen zeitgenössischer Zeichnung, Leipzig, Kunsthalle der Sparkasse Leipzig 2018, S.8 bzw. 9