Karl-Heine-Preis

Philipp Fritzsche Statue Karl-Heine-Preis

Philipp Fritzsche (geb. 1970)
Statue Karl-Heine-Preis /// Karl-Heine-Prize statue, 2016,
Lasergeschnittener Edelstahl mit Teilvergoldungen
/// Laser cut stainless steel with partial gilding,
Sockel: Steinimitat /// base: imitation stone,
29 x 12 x 12 cm, Leihgabe des Industriekultur Leipzig e. V.
/// Loan from Industriekultur Leipzig e. V.

Wenn wir heute durch den Westen der Stadt Leipzig wandeln, erkennen wir Strukturen der Industrialisierung, die gut hundert Jahre alt sind und doch das Fundament für unsere moderne urbane Lebenskultur bilden. Die Geschichte lehrt, dass diese Vorrausetzungen oft maßgeblich durch einzelne Persönlichkeiten geschaffen wurden – ein solcher Pionier war der Leipziger Jurist, Politiker und Unternehmer Dr. jur. Carl Erdmann Heine (10. Januar 1819 – 25. August 1888). Karl Heine, hier in der heute üblichen Schreibweise, hat sich vielfache Verdienste um die Stadtentwicklung erworben. Sein Name ist verbunden mit dem visionär anmutenden Wasserbauwerk, dem Karl-Heine-Kanal, das den Leipziger Güterverkehr über eine Verbindung Weiße Elster-Saale mit dem internationalen Häfen verbinden sollte. Er legte die Grundlagen zu Wohn- und Gewerbegebieten und ließ Straßen und Bahnlinien bauen.

Die öffentliche Würdigung dafür war, rückblickend betrachtet, unterschiedlich ausgeprägt. Nach 1989 waren es wesentlich die Vereine Wasser-Stadt-Leipzig e.V. und Industriekultur Leipzig e.V., die mit Veranstaltungen und in Sonderheit Wasser-Stadt-Leipzig auch mit dem praktischen Vorantreiben fortgesetzter Kanalbauarbeiten bis hin zu einem möglichen Durchstich zur Saale den Geist des agilen Unternehmers bewahren.

2015/16 schrieb Industriekultur Leipzig einen »Karl-Heine-Preis des Industriekultur Leipzig e.V.« aus, der jährlich am Geburtstag des Industriepioniers vergeben wird. Der undotierte Preis in Form einer Statue ehrt Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, deren unternehmerisches Handeln auf Grund der Ähnlichkeit zu der des Jubilars hervorgehoben zu werden verdient, weil sie aktuell wegweisende und gesellschaftlich relevante Entwicklungen kreieren oder unterstützen. Der Preis schafft dem scheinbar Verborgenen Anerkennung und fördert die öffentliche Auseinandersetzung mit dem »Lebens- und Wirtschaftsraum« Stadt.

Als Sieger im von der LEIPZIGSTIFTUNG mitfinanzierten künstlerischen Wettbewerb ging der Entwurf des Leipziger Künstlers Philipp Fritzsche hervor, der hier ausgefertigt als Kunstwerk ausgestellt wird. Zu seinen Intensionen schrieb Fritzsche selbst: »Mit der Entwicklung unseres städtischen Lebensraumes assoziiere ich etwas Lebendiges, welches ich in der Gestalt eines Baumes fasse – Pflanzen, Wachsen, Pflege, Auswahl. Des Weiteren sehe ich verschiedene Strukturen, die mich an ein Puzzle erinnern. So konnte das Eine auf das Andere nur aufgebaut werden, weil es aneinanderpasst, sich aneinanderfügt und wiederum Platz für weitere, zukünftige Innovationen einräumt. Da dies auf längere Sicht und längeres Zurückschauen eine besondere Leistung des Bewahrens von Lebenskultur aufzeigt, sehe ich in dem unerschütterlichen Material Gold eine treffende Ausdrucksform der Würdigung.«

Die kleine, 29 cm hohe Plastik vereint drei »Bilder« mit Symbolcharakter – Baum, Puzzles, Gold. Sie kommt mit einer heiteren Leichtigkeit daher und ist doch inhaltlich schwer und tiefwiegend. Man erkennt die Form eines jungen Baumes, man sieht Strukturen, die lebendig mit einander verankert sind, und man wird mit dem Gold auf das Besondere der einzelnen Leistung aufmerksam gemacht.

Die Skulptur ist mit einem modernen Industrieverfahren, dem Laserschnitt, und in Edelstahl gefertigt. In einem galvanischen Vergoldungsverfahren erhält das eine Element seine goldene Strahlkraft. Die einzelnen Puzzles sind lose zusammengesteckt und werden durch die Trägersäule arretiert. Am unteren Trägersockel ist das Anbringen eines Schriftzuges vorgesehen.

Texte: H. Moritz Jähnig