KämpfA

Jana Mertens (geb. 1983) »KämpfA«

Jana Mertens (geb. 1983)
»KämpfA«,
Aluminiumguss /// cast aluminum, 70 x 30 x 50 cm,
Besitz der Künstlerin /// The artists property, Leipzig

»Jana Mertens hat sehr früh damit begonnen komplexe, aus unterschiedlichsten bildhauerischen und malerischen Bildteilen zusammenkomponierte Bildgefüge zu bauen. Diese Kompositionen sind nach wie vor getragen durch eine wirklich große bildnerische, sehr intuitiv angewendete Begabung, wie auch das ihr sehr eigene und sich ebenfalls im Bildwerk spiegelnde Temperament«, so Bruno Raetsch, Bildhauer und Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Die formale Beschaffenheit der in verschiedenen Gusstechniken hergestellten Plastiken verbindet oftmals disparate Materialien und konträre Thematiken. Eine Kombination aus heterogenen Substanzen ergibt sich so auch beim »KämpfA« und dem eigens für diese Ausstellung hergestellten Sockel. Durch die silberglänzende Oberfläche des Sockels wird die Farbigkeit des Aluminiums aufgegriffen, adaptiert und somit eine äußerliche Einheit geschaffen. Erst bei näherer Betrachtung ist der materielle und strukturelle Unterschied erkennbar. Während sich am Sockel Einkerbungen und Ausstülpungen aus Styropor mit Silikonmodellierungen abwechseln, wird die Oberfläche der Plastik durch abgeformte, technisch anmutende Gebilde und Freiformen belebt – eigenwillige Werkstoffkombinationen mit technischen Versatzstücken.

Motorähnliche Gebilde formen Teile der kleinkindgroßen Figur. Beinah natürlich wirken hingegen die überproportionalen Hände, welche sich ohne Armeslänge an den Körper schmiegen. Die rechte Hand umfasst ein werkzeugartiges Gebilde, das im Oberbereich lilienförmig ausläuft. Um welches Werkzeug handelt es sich? Womöglich ein Schwert, welches der KämpfA einsatzbereit in der Hand hält?

Während androide Kampfroboter bereits seit Jahren im Militärbereich erprobt und diskutiert werden, wirkt dieses plastische Bildwerk mit seinem kantigen und zerklüfteten Innenleben wie die Vision eines cyborgartigen Kampfroboters – allein dazu auf der Welt, um Kriege auszutragen. Dennoch insistiert Mertens nicht allein auf den negativen Aspekt der Zerstörung. So gilt die Zertrümmerung der Formen und der Kampf gegen die Salonkunst seit der künstlerischen Avantgarde Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Chance, etwas Neues entstehen zu lassen.

»Mein künstlerisches Arbeiten ist für mich Freiraum durch Zerstörung, Neuschöpfung und Transformation. Wichtige Themen sind der Mensch in seinem kriegerischen Spannungsfeld zwischen futuristischen Cockpitansichten, Heldensuche und Spieltrieb«, so Jana Mertens.

Zugleich ist die Plastik »KämpfA« Teil eines Scharmützels, welches die Künstlerin in mehreren Varianten einer ganzen Kunstlandschaft ausstellte. Während bei einer Schlacht gewisse Regeln eingehalten werden, wird im Scharmützel wild durcheinander gekämpft. Es sind keine klaren Frontlinien vorhanden. Oft ist den Kombattanten nicht einmal klar, wo der Gegner ist.

Demzufolge wohnt auch dem Kunstwerk ein unkalkulierbares Ereignis inne. Nur die Kampfeslust scheint ungebrochen, sei es im inneren oder im äußeren Kampf.

Text: Dr. Barbara Röhner

www.janamertens.de