Günter Firit

Westerhausen/Ostharz 1947 – 2010 Pucheim bei München.
1954 Übersiedlung nach Magdeburg, dort ab 1963 Besuch des künstlerischen Zirkels von Günter Pilling. 1964 Übersiedlung nach Weimar, dort Aushilfstätigkeiten und als freier Graphiker tätig. 1967- 1969 an den Stadttheatern Halberstadt und Quedlinburg u.a. als Theatermaler tätig. 1969 – 1971 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und Exmatrikulation. Arbeit als Bühnentechniker am Dresdner Stadttheater. Übersiedlung nach Berlin, dort 1972 erste Personalausstellung. 1974 Übersiedlung nach Leipzig. Aufnahme in den VBK der DDR. Seither Teilnahme an einigen lokalen und überregionalen Ausstellungen. 1975 Ostseeaufenthalt. 1980 – 1983 Meisterschüler bei Bernhard Heisig an der Akademie der Künste in Berlin. 1984 Teilnahme am »Leipziger Herbstsalon«. 1985 Ausreiseantrag, 1986 Übersiedlung nach Pucheim bei München. 1989/90 Gründung der Malschule Palsweilmoos. Ausstellungbeteiligungen in der BRD und international.

Firit, Leben in Technologistan, 1979


»Leben in Technologistan II /// Life in technologistan II«,
1979, Öl auf Hartfaser /// Oil on hardboard,
140 x 180 cm, MdbK Leipzig,
Inv.-Nr. G 3077. Erworben 1997 von der Galerie Lutz Fiebig, Berlin

Die Beschäftigung Günter Firits mit der Thematik Mensch und Großstadt führte mit dem Triptychon »Stadtvision« von 1976 zu einer Reihe von expressiven, malerisch dichten und farbig sonor glühenden Stadtlandschaften. Menschenleer zeigen sie im gedämpften Kolorit Großstadt- und Fabrikarchitekturen in extremer Dichte zusammengepresst. In den beiden großformatigen Fassungen »Leben in Technologistan« von 1979 sind marionettenhafte, verstümmelte und nackte Menschenleiber brutal und ausweglos in ein festgefügtes System von Architekturfragmenten, schwarzen Gitterstrukturen und technoiden Gebilden verflochten, aus dem jegliches natürlich Gewachsene eliminiert wurde. Die Farbigkeit ist durch kräftige Kontraste und die grelle Helligkeit nackter Leiber expressiv gesteigert: »Technologistan erschien mir als Zusammenballung gesichtsloser, maskenhafter Wesen, die ich in sehr aggressiven Bildfindungen versucht habe, zu formulieren. Der in sich selbst Gefangene, sich selbst Behindernde, zu Mitteilung oder gar Liebe Unfähige kann im Extremfall für seine Umwelt zum Monster werden, oder, drapiert mit schöner Äußerlichkeit, zum exquisiten Kadaver.« (G. Firit) Bei der Lektüre der Erzählungen Norman Mailers stieß er auf die Formulierung »Technologistan«. Diese Worterfindung »erschien mir sehr symbolträchtig und ausdrucksstark für den Charakter unserer modernen Lebensumwelt«: »Es ist für viele meiner Bilder zum Thema geworden, von poetischer Bildbefragung bis zu aggressiven Figurationen reicht die Skala der Arbeiten«.

Text: Dr. Dietulf Sander

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