Fritz Nolde

Leipzig 1904 – 1980 Potsdam. Bruder des Malers Karl Nolde. 1910 – 1918 Besuch der Volksschule und einer Fachzeichenschule in Leipzig. 1918 – 1921 Lehre als Fotoretuscheur. 1921 – 1924 Studium an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig; Bildhauerstudium bei Adolf Lehnert. Danach freischaffend und 1926/27 Studium an der Tagesschule der Leipziger Akademie bei Hans Soltmann. 1927 Eintritt in KPD und Einrichtung eines Fotoateliers in Leipzig-Lindenau. 1928 – 1933 Mitglied des Zeichenzirkels von Alfred Frank. 1929 Mitglied der Leipziger ASSO-Gruppe (Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands). 1941-1943 Inhaftierung im Zuchthaus Waldheim/Sa. und Entlassung ins Strafbataillon 999. 1947 Rückkehr aus englischer Gefangenschaft in Griechenland und Ägypten. Übersiedlung nach Berlin und 1962 nach Potsdam.

Nolde Fritz, Ausgepresster Prolet, 1928-29

»Ausgepresster Prolet /// Squashed pleb«,
1928/29, Gips, getönt /// Plaster tinted, 64 x 17 x 18 cm, MdbK Leipzig
Inv.-Nr. P 690. Erworben 1936 durch Übergabe vom Hochbauamt der Stadt Leipzig
Fotografie: © PUNTCUM / Bertram Kober

Diese Plastik stellte Fritz Nolde erstmals in der Juryfreien Kunstausstellung von 1929 in Leipzig aus. Die Ausbreitung der industriellen Großproduktion, die Faszination des technischen Fortschrittes verknüpft mit den gravierenden Umwälzungen bis in den Alltag der Menschen aller Klassen hinein und das Erstarken der Arbeiterbewegung sind einige Grundvoraussetzungen für das nach 1870 verstärkte Interesse der Künstler an Arbeitsprozessen und am Leben der Arbeiter. Konzentrierte man sich zunächst auf eher dokumentierende, mitunter auch sentimental-moralisierende Wiedergaben der bedrückenden Lebens- und Arbeitsbedingungen, stellte beispielsweise Constantin Meunier diesen Auffassungen bereits idealtypische Arbeitergestalten entgegen.

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»Das Leben eines Arbeiters /// A workers life«,
1934 (6 Blätter /// 6 Sheets), Pinsel in Tusche auf Papier
unterschiedliche Maße, größtes: /// Brush in ink on paper,
different dimensions, largest: 22,2 x 15,7 cm,  MdbK Leipzig

In der Blattfolge, entstanden während einer Gefängnishaft, zeichnete Fritz Nolde den Entwicklungsweg eines Arbeiters zum klassenbewussten Kämpfer nach, so wie er ihn durch seinen engen Kontakt zur Leipziger Arbeiterschaft sicher mehrfach kennengelernt hatte und hier durchaus idealtypisch gestaltete. Diesem Milieu entstammte er, Autobiographisches floss in Form des ‚Selbsterlebten‘ in einzelne Szenen ein.

Texte: Dr. Dietulf Sander

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