Elisabeth Voigt

Leipzig 1893 – 1977 Leipzig. Lehre als Laborantin. 1922 – 1929 Studium an der Berliner Hochschule für bildende Künste bei Karl Hofer. 1929 – 1933 Meisterschülerin von Käthe Kollwitz. 1934/35 Rom-Preis der Akademie der Künste. 1946 – 1958 Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 1952 – 1958 Lehrauftrag für künstlerische Praxis am Institut für Kunsterziehung an der Leipziger Universität. Ab 1958 freischaffend in Leipzig tätig. 

Elisabeth Voigt Maschinenmenschensch

»Der Maschinenmensch (Der Unternehmer) /// The machina-man (the entrepreneur)«,
1948 (nach Vorarbeit /// after preparation 1932/36)
Öl auf Leinwand /// Oil on canvas, 90,5 x 70,5 cm, MdbK Leipzig
Inv.-Nr. G 2617. Erworben 1979 aus Leipziger Privatbesitz

Die Darstellung eines grotesken Mischwesens aus Maschinenteilen und menschlichem Organismus findet in der zeitgenössischen bildenden Kunst, in der Literatur und in Filmen zahlreiche Entsprechungen. Erinnert sei an die futuristische Großstadt mit ausgeprägter Zweiklassengesellschaft in Fritz Langs Film »Metropolis« (1925/26), den dort gezeigten Maschinensaal, in dem Menschen roboterhaft im Gleichtakt arbeiten oder an die Gestalt der Maschinen-Maria, gewissermaßen eine frühe Variante unserer heutigen Vorstellung des Cyborgs, ein vielgestaltiges Motiv heutiger künstlerischer Werke der verschiedensten Gattungen. Dahinter steht die jeweils zeittypische Vorstellung, beispielweise bei den Futuristen, dass die technische Revolution die bestimmende Rolle für die dynamisch fortschreitende gesellschaftliche Entwicklung spielt und damit auch grundlegend die Menschen verändert. Der Ingenieur wurde damals zur Verkörperung des modernen Menschen – der Mensch als Beherrscher und Lenker der Technik. Andererseits wurden solche Wesen auch aufgenommen in die gesellschaftskritische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, u.a. in Collagen John Heartfields, den gespenstischen Prothesen tragenden Kriegskrüppeln bei Otto Dix bis hin zu Oskar Schlemmers Kostümen für das »Triadische Ballett«.

Text: Dr. Dietulf Sander

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Literaturhinweis:
Susanne Heiland: Zu einer Neuerwerbung von Elisabeth Voigt. In: information 2/80. Museum der bildenden Künste 1980, S. 10-12.